Beas Welt

Der Himmel so nah

Mauna Kea auf Big Island, Hawaiis höchster Berg, ist das Mekka der Sterngucker

Der unglaubliche Himmel über Big Island

Der unglaubliche Himmel über Big Island                Foto: aloha-hawaii.com

Kurz nach sechs Uhr verfärbt sich der Himmel über dem Pazifik spektakulär, wird gelb, orange und schliesslich rot. Mit den Fäustlingen den Auslöser der Kamera zu treffen und den schönsten Sonnenuntergang der Welt zu verewigen, ist unmöglich. Also Handschuh weg, was zu einem Kälteschock führt. Wir sind auf 4200 Metern über Meer. Das ist wörtlich zu nehmen, denn in drei Stunden haben wir auf vier Rädern den Aufstieg geschafft von Kailua-Kona an der Westküste von Hawaii zum Gipfel des Mauna Kea im Norden der Big Island. Von 28 Grad Celsius tropischer Tagestemperatur zu knapp null Grad. Die Kälte kriecht unter die Daunenjacke, die von den Guides ausgehändigt wurde. Der Höhenunterschied geht an die Substanz.

Stargazing on Mauna Kea

Der Sonnenuntergang vom Mauna Kea aus gesehen

Eine halbe Stunde haben wir beim Besucherzentrum auf 2800 Metern über Meer zugebracht, um dem Körper Zeit zu geben, sich auf hochalpine Verhältnisse einzustellen. In unserer Gruppe, in zwei geländegängigen Zwölfplätzern herangekarrt, sind weder Schwangere noch Kinder unter 16 Jahren, weder Herzpatienten noch Personen mit Bluthochdruck. Die Reise auf Hawaiis höchsten Berg, den Mauna Kea, wäre für sie zu riskant. Aber auch der Körper jener, die den Gipfel stürmen dürfen, hat Mühe. Wir werden angewiesen, ruhig zu fotografieren und nicht planlos herumzurennen.

Guide Chris erklärt der Gruppe die Observatorien. Er scheint die Kälte nicht zu spüren

Guide Chris erklärt der Gruppe die Observatorien. Er scheint die Kälte nicht zu spüren

13 Observatorien warten auf dem Gipfel. Elf Nationen betreiben sie, aber Astronomen sind hier oben kaum zu finden. Die sitzen in ihren Unis und bedienen die Teleskope am Computer. In den Büros ist es entschieden wärmer, die Zeitdifferenz zu Hawaii, minus
elf oder zwölf Stunden zu Mitteleuropa, erlaubt es den Wissenschaftlern, tagsüber in die Sterne zu gucken, statt sich die Nacht um
die Ohren zu schlagen.

Schlottern auf 4200 Meter über Meer

Schlottern auf 4200 Meter über Meer

Fertig fotografiert. Rein in den Bus. Durch die Scheibe sieht man die 51. Nuance von Rot und muss noch einmal raus. Von solch majestätischer Position aus bekommen wir nicht so schnell wieder einen Sonnenuntergang vor die Linse. Die Höhe macht sich jetzt definitiv bemerkbar, immerhin sind wir über 300 Meter höher als die Bergstation der Kleinmatterhornbahn, und dort hinauf würde man es von der Riviera her in einem Tag kaum schaffen. Ein leichter Schwindel, etwas Übelkeit, und auf dem Weg hinunter zur Visitors Station fährt die Sorge mit, dass die Bremsen den schweren Bus bei über 10 Prozent Gefälle nicht halten können. Vierradantrieb ist hier nicht Vorschrift, aber sehr zu empfehlen.

 

Observatorien im letzten Sonnenschein

Observatorien im letzten Sonnenschein

An der Visitors Station werden nach Einbruch der mondlosen Dunkelheit Teleskope auf den Vorplatz gerollt. Ranger oder Mitarbeiter der Observatorien erklären den Hobby-Astronomen das Gefunkel am Himmel. Der Mauna Kea wurde zum Mekka der Astronomen, weil die Lichtverschmutzung hier ausserordentlich gering ist. Dank der isolierten Lage der Inseln mitten im Pazifik und auch dank Vorschriften: Erlaubt sind auf Big Island nur gelb leuchtende Strassenlampen, und ausserhalb der Zentren ist gar keine Strassenbeleuchtung erlaubt. Das Resultat ist in dieser Neumondnacht spektakulär. Unsere Gruppe fährt zum «firmeneigenen» Sterngucker-Posten etwas abseits der Visitors Station, wo Gary und Chris, unsere Guides, im Windschatten zweier Felsbrocken und fernab jeglicher Lichtquellen zwei Teleskope einrichten. Die Guides wählen im Turnus die Einstellungen aus, die sie ihren Gästen präsentieren wollen, und Gary nimmt heute als Erstes eine Gruppe von Teenagern am Himmel ins Visier – Sterne, die erst ein paar Millionen Jahre alt sind. Gary erklärt, was wir sehen werden und worauf wir achten sollen, Chris richtet die Teleskope mittels GPS aus, und dann stehen wir Schlange und äugen durchs Fernrohr. Wir sehen mit unserem Laienblick nicht immer, was wir sehen sollten, aber faszinierend ist es allemal. Und einfach schön.

SONY DSC

Langsam fotografieren, nicht ziellos herumrennen: 4200 Höhenmeter in vier Stunden fordern ihren Tribut.

Nach ein paar Einstellungen gibts heisse Getränke und Guetsli, danach das Highlight dieses Sterngucker-Ausflugs: den Jupiter. Auf dem Weg zurück nach Kailua-Kona herrscht absolute Stille im Bus, schon vorher, im Feld, wurde höchstens geflüstert. So sei es immer, sagt Gary. Am Mauna Kea haben die Sterne das Sagen.

 

Der Ausflug auf den Mauna Kea
kostet ca. 200 US-Dollar
und beginnt am frühen
Nachmittag in Kailua-Kona oder
in der Nähe der Resorts an
der Kohala-Küste.
Veranstalter: Mauna Kea
Summit Adventures,
www.maunakea.com

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