Hier darfs ein bisschen Mehrwert sein

Ohne die Hintergrundarbeit der Produktion

… fänden manche Autoren keine Leserinnen

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Die Textproduktion ist zusammen mit dem Layout und der Fotoredaktion so etwas wie die Marketingabteilung der schreibenden, fotografierenden und illustrierenden Zunft. Denn ein Artikel ohne Titel, der zum Lesen animiert, oder ein Bild ohne Legende, die beschreibt, wer oder was auf dem Foto zu sehen ist, wäre nur das halbe Lesevergnügen. Produzentinnen verfassen aber nicht nur möglichst schmissige Titel und aussagekräftige Bildlegenden, sie sind auch erste Leserinnen einer Geschichte – wenn sie etwas nicht kapieren, war der Text wohl nicht klar genug. Ihnen fällt – hoffentlich – auf , wenn Namen in unterschiedlichen Schreibweisen vorkommen, Zahlen oder Massangaben nicht stimmen können oder andere Fakten falsch sind. Schiefe Sprachbilder, falsch gebrauchte Fremdwörter oder abenteuerliche Grammatik sollten die produktionelle Behandlung ebenfalls nicht überleben. Produzentinnen kürzen oder verlängern, regen eine erklärende Textbox oder eine verdeutlichende Grafik an, die darüber hinaus zusätzliche Anreize bilden, in einen Text einzusteigen. Denn darum gehts: Die Leserinnen zu führen, ihnen zusätzliche Gründe zu geben, einen bestimmten Artikel lesen zu wollen. In der Flut an Information, die auf uns hereinprasselt, werden Leseanreize und eine gute Gesamtpräsentation der Inhalte immer wichtiger. Allerdings führt der momentane Spardruck eher zu einem Abbau der Leistungen auf diesem Gebiet.

Textproduktionen entstanden in den angelsächsischem Ländern in den Boulevardmedien. Da sind Headlines besonders wichtig, denn diese Zeitungen werden selten abonniert, die Leserschaft muss also jeden Tag neu erobert werden. In Magazinen und Illustrierten steht weniger das "Verkaufen" im Vordergrund, hier geht es um eine gepflegte "Verpackung". Und in Wochenzeitungen, wie beispielsweise der SonntagsZeitung, ist je nach Bund das eine oder das andere wichtiger. Der Aufwand, der da betrieben wird, ist gross. Dass er sich lohnt, merkt man, wenn er nicht oder schlecht betrieben wurde. In Tageszeitungen sind Textproduktionen hierzulande weitgehend unbekannt – dort übernehmen Dienstredaktorinnen Teile dieses Jobs, die Titel formulieren häufig die Autorinnen selbst. Bei den standardisierten Seiten der meisten politischen Tageszeitungen ist das auch nicht weiter schlimm – und die schrägen Formulierungen, die so ein bisschen häufiger auch gedruckt werden, sorgen jeden Sonntag in der Rubrik Schlagzeiten der SonntagsZeitung für grosses Lesevergnügen.

 

Bea Emmenegger – Journalistin, Quizautorin, Digital Nomad

+41 (0)79 196 52 64 | be@bea-emmenegger.ch

 

Aktualisierung: April 2016

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