{"id":113,"date":"2016-02-20T15:01:31","date_gmt":"2016-02-20T14:01:31","guid":{"rendered":"http:\/\/bea-emmenegger.ch\/wordpress\/?p=113"},"modified":"2016-04-13T14:49:14","modified_gmt":"2016-04-13T13:49:14","slug":"schaudernde-hoffnung-im-barenland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bea-emmenegger.ch\/wordpress\/?p=113","title":{"rendered":"Hoffnungsvoller Schauder im B\u00e4renland"},"content":{"rendered":"<p><em>Auf B\u00e4renpirsch mit Volunteer Bill Baker im kanadischen Riding Mountain National Park.<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_63\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-63\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-63\" src=\"https:\/\/bea-emmenegger.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC01871-1-800x532.jpg\" alt=\"Schwarzb\u00e4ren sind in Kanadas Wildnis h\u00e4ufig zu sehen, allerdings mit Vorteil aus der Ferne. Hier streift einer durch die Wiesen an der Strasse durch den Jasper National Park\" width=\"700\" height=\"466\" \/><p id=\"caption-attachment-63\" class=\"wp-caption-text\">Schwarzb\u00e4ren sind in Kanadas Wildnis h\u00e4ufig zu sehen, allerdings mit Vorteil aus der Ferne. Hier streift einer durch die Wiesen am Strassenrand<\/p><\/div>\n<p>\u00abDa, ein B\u00e4r\u00bb, sagt Bill und bremst ab. Kann nicht sein, sage ich, hier gibts nur Schwarzb\u00e4ren, und das da war hellbraun. \u00abDas war ein B\u00e4r\u00bb, insistiert Bill. Die Farbe von Schwarzb\u00e4ren k\u00f6nne schwarz sein, aber auch jede andere T\u00f6nung bis hellbraun. Er muss es wissen, immerhin ist er seit \u00fcber 50 Jahren regelm\u00e4ssig hier im Riding Mountain National Park.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir fahren auf dem Highway 19, der vom \u00f6stlichen Parkeingang nach Wasagaming f\u00fchrt, dem St\u00e4dtchen im S\u00fcden des Parks, in dem niemand permanent leben darf, das im Sommer aber wimmelt von Ferienhausbesitzern, Campern und Tagesausfl\u00fcglern. Hier hat Bill Baker mit seinen Eltern jeweils seine Sommerferien verbracht, hier hatte er seinen ersten Ferienjob im Lebensmittelladen, sein erstes Praktikum als Student und seinen ersten Job nach dem Studium, im B\u00fcro des Parkinspektors.<\/p>\n<div id=\"attachment_132\" style=\"width: 730px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-132\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-132\" src=\"https:\/\/bea-emmenegger.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Bill-Baker-an-seinem-Lieblingsort.jpg\" alt=\"Bill Baker an seinem Lieblingsort auf dem \" width=\"720\" height=\"479\" srcset=\"https:\/\/bea-emmenegger.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Bill-Baker-an-seinem-Lieblingsort.jpg 720w, https:\/\/bea-emmenegger.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Bill-Baker-an-seinem-Lieblingsort-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><p id=\"caption-attachment-132\" class=\"wp-caption-text\">Bill Baker an seinem Lieblingsort auf dem Ominnik Marsh<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Zehnj\u00e4hriger war Bill dem Park Interpreter von Riding Mountain nicht von der Seite gewichen. Der Mann, der den Besuchern die geologischen, biologischen und kulturellen Eigenschaften des Nationalparks in der kanadischen Provinz Manitoba n\u00e4herbrachte, machte aus dem Buben einen lebenslangen Fan des Parks und beeinflusste seine Berufswahl: \u00abIch wusste nach diesem Sommer, so etwas will ich auch mal machen.\u00bb<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bill studierte Geographie, arbeitete vier Jahre lang im B\u00fcro des Parkinspektors von Riding Mountain und landete schliesslich bei der Forstverwaltung der Provinz Manitoba, in deren Auftrag er Schulkinder den richtigen Umgang mit Lagerfeuern lehrte. Als er sich fr\u00fchzeitig pensionieren lassen konnte, war f\u00fcr Bill klar, dass er zur\u00fcck in die N\u00e4he des Parks wollte.<\/p>\n<div id=\"attachment_136\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-136\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-136\" src=\"https:\/\/bea-emmenegger.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Riding-Mountain-NP-1-800x511.jpg\" alt=\"Die Sonne geht unter im Riding Mountain National Park\" width=\"700\" height=\"447\" \/><p id=\"caption-attachment-136\" class=\"wp-caption-text\">Die Sonne geht unter im Riding Mountain National Park<\/p><\/div>\n<p>Seither ist Bill Mitglied der Friends of Riding Mountain und einer der vielen Volunteers, die mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit daf\u00fcr sorgen, dass Trail Guides aktuell sind, dass der Nature Shop im Visitor Centre den Sommer \u00fcber ge\u00f6ffnet ist, dass Kinder den Park in Camps und Workshops erleben und Erwachsene einen Triathlon im Sommer oder einen Loppet im Winter bestreiten k\u00f6nnen. Fast jeder Park in Kanada wird von solchen Friends unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_135\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-135\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-135\" src=\"https:\/\/bea-emmenegger.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Riding-Mountain-NP-800x511.jpg\" alt=\"Elche lassen sich nicht st\u00f6ren\" width=\"700\" height=\"447\" \/><p id=\"caption-attachment-135\" class=\"wp-caption-text\">Elche lassen sich nicht st\u00f6ren<\/p><\/div>\n<p>Bill hat inzwischen einen weiteren B\u00e4ren entdeckt, einen schwarzen diesmal, und den habe auch ich erkannt, bevor er rechtsumkehrt machte und im Geb\u00fcsch verschwand. Das Dumme mit B\u00e4ren am Strassenrand ist, dass sie jeweils wieder verschwinden, bevor man die Kamera gez\u00fcckt hat. Dasselbe gilt f\u00fcr Wild, F\u00fcchse, W\u00f6lfe. Einzig Elche lassen sich nicht so schnell st\u00f6ren und \u00e4sen h\u00e4ufig unger\u00fchrt weiter. Und der Bison ist viel zu schwerf\u00e4llig, um wegen eines Autos reissaus zu nehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Wildrind findet in Kanada immer weniger fruchtbares Grasland als Weidefl\u00e4che. Im Riding Mountain National Park ist die Pr\u00e4rie eine der drei ausgepr\u00e4gten \u00d6kosysteme, neben dem n\u00f6rdlichen Nadelwald und dem Laubwald. Hier leben ein paar Dutzend Tiere in einem weitl\u00e4ufigen, befahrbaren Gehege. Gegen Ende Mai sind die Bisons noch auf der Winterweide und ausser Sichtweite. Nur ein einzelnes Tier ist durchs offene Zufahrtstor auf die Strasse gewandert und l\u00e4sst sich das Gras am Wegrand schmecken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_15\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-15\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-15\" src=\"https:\/\/bea-emmenegger.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC01195-800x532.jpg\" alt=\"Bisonin Riding Mountain National Park in the Canadian Province Manitoba\" width=\"700\" height=\"466\" \/><p id=\"caption-attachment-15\" class=\"wp-caption-text\">Auch der Bison bleibt stoisch<\/p><\/div>\n<p>Und manchmal kommt es vor, dass ein Bison in der Wildnis untertaucht. Jedenfalls macht ein Anschlag am Beginn des Strathclair Trails, der in der N\u00e4he der Winterweide abgeht, auf die Gefahr streunender Bisons aufmerksam. Der Trail ist einer von 39 Wanderwegen, die im Guide beschrieben sind, der von den Friends of Riding Mountain in Zusammenarbeit mit der Parkverwaltung herausgegeben wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gem\u00fctliche Spazierg\u00e4nge geh\u00f6ren dazu, etwa der Holzsteg, der \u00fcber den Ominnik Marsh gebaut wurde, einer von Bills Lieblingsorten im Park. \u00abDie Farbenpracht im Sommer und das Vogelkonzert sind einmalig.\u00bb Andere Trails sind mehrst\u00fcndige Wanderungen, ein paar f\u00fchren tief ins Backcountry und sind nur mit \u00dcbernachten machbar. An 16 Stellen in der Wildnis kann man campieren, sofern man sich bei den Park Rangers registriert. Meldet man sich nicht zur\u00fcck, wird eine Suche gestartet. Denn im Backcountry sagen sich nicht nur Fuchs und Hase gute Nacht, da haben auch der B\u00e4r und der Wolf ein W\u00f6rtchen mitzureden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_14\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-14\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-14\" src=\"https:\/\/bea-emmenegger.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC01143-800x532.jpg\" alt=\"Die Toilette im Riding Open-air-Toilette im Mountain National Park\" width=\"700\" height=\"466\" \/><p id=\"caption-attachment-14\" class=\"wp-caption-text\">Open-air-Toilette im Nationalpark<\/p><\/div>\n<p>B\u00e4ren sind Allesfresser. Und sie bedienen sich auch bei dem, was Menschen herumliegen lassen. Das ist nicht nur schlecht f\u00fcr die Opfer dieses Mundraubs, die nun keinen Proviant mehr haben, sondern vor allem f\u00fcr das Miteinander der beiden Spezies. Denn B\u00e4ren auf Nahrungssuche, die bei Menschen f\u00fcndig werden, verlieren ihre Scheu und werden zu Problemb\u00e4ren. In Jasper, dem St\u00e4dtchen in den Rocky Mountains, das mitten in einem Nationalpark mit Schwarzb\u00e4ren und Grizzlys liegt, hat man deshalb die b\u00e4rensichere M\u00fclltonne erfunden, die inzwischen \u00fcberall verwendet wird, wo sich Menschen in B\u00e4rengebiet aufhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_131\" style=\"width: 730px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-131\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-131\" src=\"https:\/\/bea-emmenegger.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Bear.jpg\" alt=\"Ba\u0308r mag Ga\u0308nseblu\u0308mchen\" width=\"720\" height=\"479\" srcset=\"https:\/\/bea-emmenegger.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Bear.jpg 720w, https:\/\/bea-emmenegger.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Bear-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><p id=\"caption-attachment-131\" class=\"wp-caption-text\">Dieser Ba\u0308r in Jasper mag Ga\u0308nseblu\u0308mchen<\/p><\/div>\n<p>Dass man im B\u00e4renland unterwegs ist, regt die Fantasie beim Wandern ungeheur an. Man solle L\u00e4rm machen und Pfefferspray mitnehmen f\u00fcr den Notfall. Weder Beeren noch Pilze suchen, denn das tut der B\u00e4r schon. Wer wie ich allein unterwegs ist, was man auch nicht tun sollte, hat bald erwartungsvolle Angst als st\u00e4ndigen Begleiter. Oder ist es schaudernde Hoffnung? Ich m\u00f6chte B\u00e4ren sehen und bin gleichzeitig heilfroh, dass keiner hinter dem n\u00e4chsten Baum hervorkommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_17\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-17\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-17\" src=\"https:\/\/bea-emmenegger.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC01766-800x532.jpg\" alt=\"Touristen-Meute mit B\u00e4r im Visier\" width=\"700\" height=\"466\" \/><p id=\"caption-attachment-17\" class=\"wp-caption-text\">Fotofalle: Touristen-Meute in Jasper National Park mit B\u00e4r im Visier<\/p><\/div>\n<p>So gehts wohl allen Touristen. Die Tiere sind einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr einen Trip in die Nationalparks, Objekte f\u00fcrs Fotoalbum. Wenn auf dem Highway ein Auto am Strassenrand steht, gesellen sich schnell weitere dazu, denn dann gibts etwas zu fotografieren, und meist ist es ein B\u00e4r. Das Exemplar am Ufer des Medicine Lake in Jasper l\u00e4sst sich in seiner Futtersuche durch die schnell anwachsende Menge nicht st\u00f6ren, blickt nur kurz in unsere Richtung und frisst dann weiter seine G\u00e4nsebl\u00fcmchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie hatte Bill gesagt: B\u00e4ren haben einen ausgezeichneten Geruchssinn und h\u00f6ren gut, aber sie sehen zum Gl\u00fcck ausgesprochen schlecht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf B\u00e4renpirsch mit Volunteer Bill Baker im kanadischen Riding Mountain National Park. \u00abDa, ein B\u00e4r\u00bb, sagt Bill und bremst ab. 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